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Katholische öffentliche Bücherei  > Veranstaltungen

Zur Segnung und Eröffnung der neuen Räume für die Katholische Öffentliche Bücherei in der Schillerstraße 75 am 08. Februar 2004

Es ist für mich immer überwältigend, wenn ich eine alte Bibliothek besichtige: Die alten Bücher, wertvolle Kostbarkeiten, in großen Regalen aufgereiht. Es überkommt mich geradezu Ehrfurcht.

Segnung der Bücherei durch Abt Alcuin
Segnung der Bücherei durch Abt Alcuin
Dagegen werden uns heute Mikrochips geboten mit einer gigantischen Speicherkapazität. Ein Unterschied ist z.B., daß Inhalte mit einem Tastendruck in Bruchteilen von Sekunden gelöscht werden können, um dem ständig wechselnden neuen Datenfluß wieder Platz zu machen.

Eigentlich empfinde ich das zutiefst unmenschlich. Ich habe gar keine Zeit mehr, um eine Information auf mich wirken zu lassen, noch weniger, um mit ihr umzugehen, schon erreicht mich die nächste. Mehr und mehr fühlen sich die Menschen überfordert, werden orientierungslos.

Wenn ich dagegen in einer der alten Bibliotheken stehe, wo oft noch einzelne uralte von Hand geschriebene Exemplare aufbewahrt werden, dann wird deutlich, wie wertvoll den Menschen die Information, die Botschaft war, die sie da in oft mühevoller Kleinarbeit für viele Generationen festgehalten haben. Davon und damit konnten Menschen leben.

Bücher waren mehr als nur Mittel zu Mitteilung. Bücher waren Leben. Durch sie sollte etwas in den Lesern angestoßen werden.

Genau das bringt eine wunderschöne Buchmalerei zum Ausdruck, die ich in einer alten Klosterbibliothek gesehen habe. Da hat der Schreiber die Buchstaben mit Blumen verziert. Offensichtlich soll das Gelesene in den Menschen wachsen, reifen und Früchte bringen.

Heute aber kann kaum mehr etwas reifen, weil wir regelrecht überflutet werden von Informationen durch die immer schneller werdenden elektronischen Medien.

Gerade deshalb ist es wichtig, daß wir es nicht verlernen, mit diesem sehr menschlichen Medium des Buches umzugehen. Denn beim Lesen kann der Mensch noch selbst das Tempo bestimmen und sich Zeit nehmen, in sich, in seinem Inneren das Gelesene wirken zu lassen.

Dennoch aber gilt es, sich in dieser Welt auszukennen. Deshalb benötigt der Mensch in unserer Welt mit ihren großen technischen Fortschritten, mit ihren immer neuen Wissenschaftszweigen und unvorhersehbaren geistigen Bewegungen – wenn er in dieser Welt bestehen will – Informationen, Übersicht, Anregung und Beispiel, sowie überzeugende Begründungen der Lebensbejahung und Lebensfreude.

Anbringen des Kreuzes durch Pfarrer Clemens Bieber
Anbringen des Kreuzes durch Pfarrer Clemens Bieber
Für uns Christen ist zunächst die Bibel das Buch der Bücher. Es ist – genau genommen – eine Bibliothek in sich mit vielen Büchern aus verschiedenen Zeiten und mit vielen verschiedenen Lebens- und Glaubenszeugnissen.

Neben der Bibel hat sich die Kirche aber immer gemüht, gute Bücher zu verbreiten. Denn schon bald wurde erkannt: „Bücher sind nicht zum Lesen, sondern zum Leben da.“ Was zwischen den Buchdeckeln steckt, ist nicht lediglich ein Stapel bedrucktes Papier, sondern etwas, was für mein Leben bedeutsam sein kann, was unser Leben zu vertiefen und zu bereichern vermag. – Jedenfalls sollten Bücher, für die wir uns Zeit nehmen, so sein.

Der französische Dichter Francois Mauriac hat recht, wenn er sagt: „Sage mir, was du liest, und ich werde dich sagen, wer du bist. Das stimmt; aber noch besser werde ich dich kennenlernen, wenn du mir sagst, was du nochmals liest.“

Es geht in unseren kirchlichen Büchereien nicht nur um Erwachsene, es geht gerade auch um Kinder. Es geht bewußt darum, ihren Verstand nicht nur mit Videobeschäftigungsprogrammen zu füllen, sondern es geht darum, ihr Inneres mit wertvollen Gedanken und Anregungen zu füllen. Deshalb liegen hier viele gute und sinnvolle Kinderbücher bereit.

Gerade heute, in einer Zeit der Unübersichtlichkeit, wo sich viele Menschen nicht mehr auskennen inmitten der vielen Meinungen und Ströme, inmitten der Flut von Informationen, in dieser Zeit darum auch geistiger Orientierungslosigkeit hilft es, in Büchern auf übersichtliches, auf gewachsene und erlebte Erfahrungen, auf Bewährtes und so auf gute Anregungen zurückgreifen zu können.

Das war auch schon das Anliegen von Pfarrer Josef Hepp, als er 1930 die Kleinostheimer Bücherei gründete. Er wollte damit ein Bildungsangebot machen und – wie die Geschichte auch bestätigt – den um sich greifenden geistigen Strömungen der Zeit (1930) bewußt eine andere Lebenssicht, einen geistvolleren Umgang mit dem Leben entgegensetzen, also Einfluß nehmen auf das Denken der Menschen. Der Historiker Erhard Bus hat bei einem Vortrag am 9. November 2003 im Haus St. Vinzenz von Paul an Hand von Wahlergebnissen aufgezeigt, daß das braune Denken in Kleinostheim nicht wirklich Fuß fassen konnte. Das kirchlich geprägte Milieu hat die Leute in Kleinostheim – wie er wörtlich sagte –„immun gemacht gegen den braunen Ungeist“ .

Heute ist unser Stand bei dem Bemühen ungleich schwerer, in der Flut elektronischer Medien und des dadurch teilweise unmenschlichen, menschenunwürdigen, gewalttätigen und lebensverachtenden Einflusses auf die Menschen, unser qualitativ gutes Bildungsangebot hochzuhalten. Dennoch oder gerade deshalb ist es wichtig, auch unser Büchereiangebot zu machen.

Büchereimitarbeiter in ihrem neuen Domizil
Büchereimitarbeiter in ihrem neuen Domizil
Deshalb ist es Ziel aller kirchlichen Büchereiarbeit, das Innere des Menschen zu füllen, nicht nur mit Gottes Wort, sondern mit guten Gedanken, die in seiner Lebensbotschaft, in seiner überlieferten Lebenshaltung verwurzelt sind.

So sollen Bücher uns innerlich bereichern und den Sinn des Lebens deuten helfen.

Zu all dem bietet unsere qualitativ und substanziell gute Bücherei ihren Dienst an. Ebenso wollen wir ein sinnvolles Angebot für die Freizeitgestaltung machen.

Deshalb engagieren sich die Christen unserer Laurentiusgemeinde für diese Bücherei und in ihr, weil sich in der alltäglichen Welt die Frohbotschaft Gottes zum Leben bemerkbar machen soll.

Diese Bücherei will also dem Leben dienen, ist Dienst am Menschen. Deswegen erbitten wir den Segen Gottes für alle, die sich hier engagieren und für alle, die auswählen können unter dem großen Angebot, damit sie sich immer für gute Literatur entscheiden, die dann zum Segen für sie und ihr Leben wird.